Tag 12: “I think this is the beginning of a beautiful friendship”
-ein Filmzitat aus..? Genau, Casablanca.
Fangen wir aber wie immer in der Schule an..
..die gestern anfing wie sonst eigentlich auch. Erstmal die obligatorische Frage “How was your night?”, und dann zum “Aufwärmen” mal wieder irregular verbs, die extra dafür gedacht waren, mich zu schikanieren, weil ich zwei der Wörter, die ich letzte Woche nicht wusste, auch gestern nicht konnte. -.- Aber eigentlich lief’s gar nicht so schlecht, ich bildete eine Zweiergruppe mit meinem Ehemann vom Vortag- dem Koreaner-Japaner. Später stieß dann die Japanerin noch dazu- die, wie ich jetzt weiß, Rumiko heißt- und die wie immer eine knappe halbe Stunde zu spät kam. Steven fragte ganz lässig “What’s up?”, was sie sehr irritiert zu haben scheint..erst hat sie gar nicht geantwortet und dann, nachdem er das mehrmals wiederholt hatte, kam nur ein scheues “not much”.. verdammt, warum mach ich mir eigentlich die Mühe, jeden Tag pünktlich zu kommen, wenn ich genauso gut ne halbe Stunde länger schlafen könnte?- Ich werde mir die Frage selbst beantworten: Vermutlich, weil mir die Schule hier Spaß macht. Weil ich eh nur drei Stunden dort bin. Und.. weil ich einfach allgemein viel zu anständig bin.
Danach ging’s weiter mit- Gruppenarbeit, wer hätt’s gedacht. Wir sollten uns in Gruppen über unsere Schulsysteme unterhalten, und das war echt, echt interessant. Die Kolumbianerin und die Koreanerin in meiner Gruppe waren ganz erstaunt darüber, dass man in Deutschland in der Schule rumlaufen darf, wie man will.. mit freier Klamottenwahl, offenen langen Haaren, Piercings usw. In beiden Ländern darf man sich auf dem Schulgelände nichtmal küssen. Das sollte unseren pubertierenden Knutschkugeln in der Schule mal jemand erzählen!
Genauso wie das Thema Schuluniform. Man wär das witzig, die ganzen aufgebrezelten 5.-9. Klässer im schicken schlichten Bleistiftrock-Strickjacken-Style zu sehen, und das täglich! =D Ich wär ja absolut dafür.. aber die Koreaner beneide ich wirklich nicht um ihr Schulsystem. Im letzten Jahr der Highschool dauert ihr Schultag von 7.30 am – 10.30pm, und das jeden Tag. Kann sich das einer vorstellen? Auch Samstags. Manchmal sogar sonntags. Und Ferien gibt’s auch- aber auch dann geht man in die Schule. Das ist doch der helle Wahnsinn. .. Die beiden anderen waren dann wiederum erstaunt über die Überwachungskameras an unserer Schule. Wobei man sagen muss, das ist ja auch was ganz Einzig- und Eigenartiges.. Center of Arrogance hat.
Anschließend haben wir in unseren Gruppen spezielle Schulen besprochen, die besondere Arten des Lernens und Unterrichtens entwickelt hat. Bei unserem Beispiel, einer Schule in England, handelte es sich um eine rein demokratische Einrichtung, bei der Schüler mitbestimmen dürfen, wer neu auf ihre Schule kommt, sowohl Schüler als auch Lehrer, und selbst Glühbirnen austauschen und putzen müssen. Naja, wieso nicht.. dann mussten wir uns mit Leuten aus den anderen Gruppen zusammentun und beschließen, welche die beste Schule ist. Deemah (das saudi-arabische Mädchen-ich kenne endlich ihren Namen!
) hat sich quasi mit sich selbst und stellvertretend für uns auf ihre eigene Beispielschule geeinigt.
Nach der Schule hab ich mich auf den Weg nach Chinatown gemacht, das quasi direkt hinter der University-Ave liegt (da ist die ILSC). Dort hab ich ein paar Souveniers und Obst gekauft.. das Obst nämlich in einem chinesischen Supermarkt, der ganz.. außergewöhnlich war. Außergewöhnlich. So roch es darin auch. Ich wollte nicht negativ urteilen, also roch es außergewöhnlich.. nach einer Mischung aus Fisch, Katzenfutter und Imbissbude. Nach drei Minuten da drin hab ich mich korrigiert. Furchtbar. Es roch furchtbar. Ich hab mich echt beeilt, da wieder rauszukommen.
Sowohl aus dem Laden, als auch aus Chinatown.. Richtung Queen’s Park. Jetzt kenn ich mich in dem Eck ja schon aus.
Beim Waverly- Hotel bin ich in einem angrenzenden Burger King illegalerweise auf die Toilette gehuscht, ohne vorher was gekauft zu haben. Ich kam mir richtig kriminell vor, erst recht, als plötzlich jemand wie wild an die Tür zu klopfen begann. Mir blieb in etwa das Herz stehen
ich öffnete die Tür, vor mir stand ein Angestellter und ich erwartete schon ein Donnerwetter, da kapierte ich, dass die Wasserleitung tropfte und man daher so im Aufruhr war. Aber trotzdem- so schnell es ging, eilte ich raus aus dem Laden und ich denke, ich war noch über keinen Zebrastreifen so flott rübergekommen..
Dann ging’s erstmal ab in die U-Bahn und kurzzeitig nach Hause, wo ich in letzter Zeit unterm Tag immer weniger bin, weil’s mich einfach nach draußen zieht.. so kenn ich mich gar nicht, aber es gefällt mir
Gegen halb fünf bin ich dann ins ROM gegangen, ins Royal Ontario Museum, wo gestern der Eintritt frei war. Feine Sache, somit hab ich 24 Dollar gespart. Und das ROM ist echt interessant, Heather hatte nicht zuviel versprochen. Unten gab’s eine Ausstellung über chinesische Kultur und kanadische Ureinwohner, im nächsten Stockwerk jede Menge ausgestellte bedrohte Tierarten, ein Aquarium und sogar eine nachgebaute Höhle, in der Fledermäuse schliefen, nebenan jede Menge Edelsteine- die ich leider erst ganz am Ende entdeckte- und darüber Kunst und Möbel aus verschiedenen Epochen. Es hat sich wirklich gelohnt, nur leider schloss das ROM bereits um 6.30 pm, sodass mir viel zu wenig Zeit blieb. Danach hab ich versucht , den Metro Square zu finden. Was nicht ganz einfach war, denn es gibt keinen Metro Square. Es gibt bloß Metro Hall und – Centre, und mit meiner Fragerei nach einem gleichnamigen Square hab ich die nach dem Weg dorthin befragten leicht durcheinander gebracht.. bekam am Ende aber glücklicherweise doch die richtige Antwort.
Das Metro Centre liegt auf der King Street, einer der Hauptstraßen mit vielen Hochhäusern, und der Grund, weshalb ich dorthin wollte, war Casablanca- Freshair Cinema!
Es fing gerade an, zu dämmern, als ich mich dort in dem kleinen Park niederließ. Im Hintergrund Hochhäuser, ein paar Leute saßen schon auf der Wiese vor einer großen Leinwand und neben mir machte jemand Yoga. Ich war ganz hingerissen von der Atmosphäre. Zugegeben, ich war viel zu früh da, aber das machte mir nur wenig aus. Zugegeben, ich hab nur die Hälfte vom Film verstanden, zumindest was Details angeht, da ich ein wenig müde war und nicht immer zu hundert Prozent aufgepasst- aber die Haupthandlung hab ich schon mitbekommen.
Am Ende hat jeder geklatscht, und zwar gerechtfertigterweise, weil Casablanca echt ein schöner Film ist- wie muss das erst sein, wenn man alles versteht?- und die Umgebung einfach den perfekten Rahmen dafür gebildet hat. Es war wunderschön inmitten der vielen Lichter, zumal es noch ganz warm war und richtig entspannt.. wie so oft wünschte ich in diesem Moment, ihn mit jemandem teilen zu können.
Nach dem Film ging’s schnurstracks nach Hause.. und fast so schnurstracks ins Bett, nicht jedoch, ohne vorher noch zwei Stück übrig gebliebene Pizza von David und Heather zu mopsen
Und weil ich noch nie so spät im Bett war.. war ich heute (donnerstags) verdammt müde!
Damit mir das gleiche nicht wieder passiert und weil ich heute sowieso schon zwei Blogeinträge verfasst hab, geht Läppi jetzt schlafen und ich werd’s ihm bald gleich tun. Auch wenn’s morgen früh wieder nen leckeren Starbucks- oder Tim Hortons- Kaffee gibt
xoxo,
Val
Tag 11: “Everybody here just wants sex, but I am different”
Am Dienstag war das Wetter- wie auch an den beiden vorhergehenden Tagen- richtig schön, deshalb war für nachmittags Strand angesagt. Außerdem hat der Dienstag in Sachen Leute kennen lernen alle Rekorde gebrochen.. aber von Anfang an.
Schule! Was haben wir in der Schule gemacht? Ach ja, richtig: Pronunciation. In einer Gruppe mit einem Koreaner-Japaner und einer Japaner-Japanerin, die sich immerzu auf- na? Wer kommt drauf?- genau, Japanisch unterhalten haben. Unter besten Voraussetzungen ging’s also an die Gruppenarbeit. Die Übung bestand aus jeder Menge ähnlich klingenden Wörtern, deren Unterschied wir heraushören sollten. Dabei hab ich gelernt, dass wir Deutschen angeblich ein Problem hätten, “v” und “w” unterschiedlich auszusprechen. Klar hab ich mir dabei dann Mühe gegeben..
Die anderen beiden hatten allerdings auch Schwierigkeiten. Wie ich nämlich erfahren hab, gibt’s beide Laute im Japanischen nicht.
Viel lustiger war aber die Übung, die danach kam. Komm, wir spielen Immobilienmakler! Vier von uns waren die Makler, die übrigen fünf sollten ein Appartment kaufen, ohne zu Anfang gleich den Preis zu wissen; wir mussten jeweils ein Angebot machen. Da sich fünf auf vier schlecht verteilen lassen, wurde ich mit dem K-J zur selben Maklerin geschickt- was ich nicht verstanden hab: wir sollten ein Pärchen spielen. Gut, nachdem man uns das mehrfach erklärt (und ich mein Gespräch mit “Hi, I’m Valerie and I’m a single Mom” begonnen) hatte, konnte es auch schon losgehen. Der größte Streitpunkt war, dass es in drei der vier Appartments zwei Bäder gab. Wer braucht denn zwei Bäder? haben wir gefragt, und man hat uns mit fadenscheinigen Erklärungen abgespeist wie: wenn mal Freunde da sind. Meine trotzige Antwort: “Okay, we’ll have to make some friends then.” Da fiel der gewitzten (ebenfalls koreanischen) Maklerin nichts mehr ein, außer: “I think I’ll look for another person to buy it.” Nächste Maklerin, gleiches Problem, gleiche Aussage, diesmal von K-J: “We don’t have any friends!” Wenn man schon mit einem K-J verheiratet ist, dann muss man sich auch wenigstens seinen Spaß daraus machen.
Das Ende vom Appartmentlied: Jeder wollte das der Saudiarabierin kaufen, die deswegen den höchsten Gewinn machte. Am Ende haben wir doch noch eins mit lediglich einem Badezimmer bekommen, in der Innenstadt Londons für 400.000 Dollar.
Nach der Schule bin ich ins Atrium Bay gegangen, um mir was zu Essen zu organisieren. Eigentlich hatte ich nicht so den Mordshunger, außer auf- Schokolade.
Da es hier irgendwie vorwiegend Drogerien gibt, hab ich mir meinen Suchtstoff eben dort besorgt- und festgestellt, wie unglaublich teuer der Spaß hier ist. Da bezahlt man für Schokolade- ein sehr geringes Sortiment an Schokolade- ca. das doppelte verglichen mit Deutschland, oder zumindest im Schnitt einen Dollar mehr. Das fand ich schon ziemlich krass. Aber meinen Magen hat das Geld nicht interessiert, ich hatte das Gefühl, augenblicklich tot umfallen zu müssen, würde ich nicht sofort meine Schokolade kriegen.. für nen Schokoriegel (und ne Flasche Eistee) hat mein geiziges Kontingent dann doch noch gereicht
Danach bin ich irgendwie irgendwo durch die Gegend gelaufen und hab mich auf einer Bank niedergelassen, um eins meiner F**-bücher zu lesen (Zensur für alle, die auch Angst vorm bösen F-Wort haben..;)). Kurz später hatte ich Nummer eins meiner kuriosen Begegnungen: Ich wurde nach dem Weg gefragt.
Ich, die ich selbst nicht wusste, wo ich war. Ich musste erklären, dass ich mich null auskenne, weil ich nicht aus Toronto komme.. und dann ging’s los. Daraus hat sich irgendwie ein richtiges Gespräch entwickelt. Ich hab schon wieder vergessen, wie der Kerl hieß.. ich weiß nur, dass er bestimmt schon Anfang, Mitte dreißig sein musste und die ganze Zeit ganz cool seine Sonnenbrille aufbehalten hat.
Wir haben uns ganz gut unterhalten, über dies und jenes, unter anderem über die Freundin eines Freundes von ihm, die wohl- da deutsch- über das Wetter in Deutschland immer nur “scheiße, scheiße, scheiße” schimpft, was er ganz enthusiastisch imitiert hat.
Ich hab dann im Laufe des Gesprächs erwähnt, dass ich noch an den Strand will- ein Fehler, denn dann kam gleich: “I could take you there, if you want. Get to know your friends, have some lunch..” Mit fadenscheinigen Erklärungen wie “ich muss unbedingt nochmal nach Hause, was im Internet machen” hab ich dankend abgelehnt, und es hat keine zwei Minuten gedauert, da ist er abgedampft. Irgendwie war er wohl beleidigt.
So what, als würd ich einfach so mit jemandem essen gehen, der unter Umständen doppelt so alt ist wie ich und den ich kein Stück kenne..
Danach bin ich ziemlich zügig in die nächste U-Bahn gestiegen und nach Hause gefahren. Um halb fünf hab ich mich dann in Woodbine- meine home station- mit den Mädels getroffen und wir sind an den Strand gefahren. Dauert mit dem Bus so um die zehn Minuten.. und es war wirklich schön. Das Wetter war top, am Strand konnte man’s gut aushalten, denn da weht immer ein leichter Wind, und wir hatten unseren Spaß, unter anderem mit dem Bau diverser Steintürmchen, der auch ausreichend dokumentiert wurde, und Missverständnissen wie “..ganz nah am See..”-”was?? Tankstelle??” ;D Irgendwann sind wir zu dritt mal kurz ans Wasser, um die Füße reinzuhalten- für alles andere war’s echt zu kalt- und haben da schon bemerkt, dass Laura, die noch am Strand saß, von nem Typen angequatscht wurde. Als wir wieder zurück nach oben gegangen sind, hat er uns dann auch vollgelabert: Er habe gehört, wir kämen aus Deutschland. Er kommt aus Polen, das ist ja auch Europa (spitze. als wären wir jetzt Freunde, nur weil er vom selben Kontinent kommt und uns mit ihm somit ungefähr soviel verbindet wie mit allen Kanadiern.. ) Danach hat er erstmal angefangen zu rauchen. “Do you have those in Germany,too?” Kristin: “Self-made cigarettes??” Val: “Self-made joints..?” komischer Typ: “exactly..” Klar, setz dich ruhig zu uns und kiff erstmal ne Runde, tu dir keinen Zwang an.. wir haben schon auf deutsch angefangen, uns über ihn lustig zu machen, besonders bei der Frage: “I’m already 30. But I don’t look like, right?” Dazu muss man noch sagen, dass Maxime die ganze Zeit beharrlich die Konversation verweigert hat, außer “verpiss dich” war von ihr rein gar nichts zu hören.
Im Anschluss hat jener uns erklärt, dass er nicht so ist wie die anderen.. “Everybody here just wants sex, but I am different.. I’m from europe,too. .. I’m a musician!” Es wurde immer stranger, bis er letztendlich verstanden hat, dass keiner Wert auf seine Gesellschaft legt, und Maxime sich herzallerliebst von ihm verabschiedet hat.
Das war die zweite Begegnung.
Eine Begegnung der dritten Art wurde uns zuteil, als wir beschlossen hatte, ca. 500 Bilder von uns am Strand machen zu müssen, und zwar jede mit jeder, immer in Zweiergrüppchen. Dabei wurden wir von einem Typen permanent ausgelacht, der in unserer Nähe lag.. bis er schließlich herkam und uns gefragt hat, ob er ein Bild von uns allen machen soll. Natürlich haben wir ihm direkt unsere drei Kameras in die Hand gedrückt und posiert, und er hat beim Fotografieren ständig gesagt: “Beautiful. You’re so beautiful. Beautifuull…”
Der war eigentlich einfach nur nett und hat geduldig mit jeder Kamera mehrere Bilder gemacht.
So zwischen sieben und halb acht sind wir dann zur Bushaltestelle zurückgelaufen. Dort wurden wir von zwei Schwarzen angesprochen- wieso weiß ich nicht mehr^^ Die waren aber auch wirklich nett. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie aufgeschlossen die Menschen in Toronto sind.. in Deutschland quatscht mich nie jemand einfach so an, nur aus Spaß, und ich würde auch nie auf die Idee kommen. Aber hier ist das was anderes. Die beiden waren ganz angetan davon, dass wir uns vor der Reise nicht gekannt haben und alle ausm selben Eck von Deutschland kommen- Maxime, Laura und Kristin sind ja sogar am gleichen Tag, aber mit unterschiedlichen Flügen hier angekommen. Ist schon ein ziemlich glücklicher Zufall gewesen, dass wir uns getroffen haben.
Maxime hat übrigens auch hier wieder konsequent nichts gesagt. Das beste war, dass man sie daher für schüchtern gehalten hat.. Maxime und schüchtern.. :’D Das ist ungefähr so- für alle, die sie nicht kennen, also für alle- als würde man Marina als schüchtern bezeichnen (und das ist jetzt NICHT negativ zu verstehen!
) Einer von ihnen hat noch erzählt, dass er dieses Jahr aufs Oktoberfest gehen will. Und er hat nicht verstehen können, wie man in Bayern leben und kein Bier mögen kann. Tja, es geht einfach nichts über nen schönen Bacchus.. auch wenn man sich den manchmal hart erarbeiten muss, nicht wahr, Schneps?
Nach diesem ausgefüllten Tag ging’s dann nur noch ab unter die Dusche und in die Küche zum Essen.. Heather war wiedermal segeln, aber sie sorgt ja immer vor
Noch zwei Tage bin ich hier.. mal sehen, ob ich bis dahin die Einträge alle noch schreiben kann! Wir werden sehen.. und zwar uns, ab Sonntag, wenn ich wieder im Lande bin
Allerliebste Grüße,
Val
Tag 10: Deep fried butter (also: “I won’t go anywhere without my fenistil..”)
Ein ganz normaler Montagmorgen, und ich- freute mich auf die Schule. Ja Freunde, ihr habt richtig gehört, ich mag die ILSC wirklich sehr. Ich bin nie lieber zur Schule gegangen als hier, ich fühl mich da echt pudelwohl. Gerade jetzt, wo ich die anderen schon kenne- wenn auch die meisten nicht mit Namen
- herrscht echt ein tolles Klima in der Klasse. Jeder kommt mehr oder minder, wann er will, auch wenn uns am Anfang der Rausschmiss angedroht wurde, sollten wir wiederholt zu spät kommen. Was soll ich sagen, eine Japanerin- ich glaube, sie heißt Rumiko oder so ähnlich- kommt jeden Morgen ihre obligatorischen 15 Minuten zu spät, und keiner beschwert sich darüber. Steve- der Lehrer, den wir auch alle einfach nur Steve nennen- beginnt jeden Tag mit der Standardfrage, was wir am Vortag gemacht haben, was ganz gut ist, da sich daraus oft schon Gespräche entwickeln und man aus den Aktivitäten der anderen auch profitieren kann, wenn sie von Orten reden, an denen man noch nicht gewesen ist. Danach haben wir einen interessanten Fragebogen ausgefüllt, dabei ging es um diverse Vergehen und für wie schlimm wir diese erachten. Die Skala reichte von 1- geringfügig schlimm bis 10- ganz arg schlimm. Danach sollten wir die Ergebnisse mit denen der anderen vergleichen. Es war echt interessant. Beispiel: Bei einer Klassenarbeit abschreiben. Ich hatte die zwei angekreuzt, weil.. ich meine, wer von uns hat noch nie abgeschrieben? Die Japanerin hatte eine zehn gegeben. Sie würde niemals betrügen, hat sie gesagt. Die größte Diskussion ist beim Thema Gentechnik entstanden: Sollte man sein Baby vor der Geburt beliebig modellieren können, es möglichst gesund, hübsch und intelligent vorprogrammieren? Darüber haben wir dann auch einen Text gelesen und den Rest der Stunde diskutiert. Eigentlich waren alle der Meinung, dass es nicht soweit kommen sollte. Dabei bin ich quasi zu meiner temporären Höchstform aufgelaufen^^ ich hab mich richtig aufgeregt, Gott sei Dank war niemand anderer Meinung als ich
Ich hätte nie gedacht, dass ich mal auf Englisch über DNA-Technik und Ein-Kind-Politik debattieren würde..
Nach der Schule hab ich einen wichtigen Punkt auf meiner To-Do-Liste abgehakt: einen Hotdog essen. Hotdogs sind hier was ganz tolles: Man bestellt sich die Wurst, bekommt sie im Brötchen, und den Rest darf man selbst machen; um den Stand herum finden sich Essiggurken, Zwiebeln, diverse Saucen, Ketchup, Senf etc und man darf sich sein individuelles Topping selbst zusammenstellen. Das macht einen simplen Hotdog echt zum Erlebnis.
Zum Nachtisch gab’s ein Honey- irgendwas von Tim Hortons- der wirklich günstig ist, wie ich jetzt erst begriffen habe. Heute Morgen hab ich mir einen French Vanilla gegönnt, und ich freu mich schon auf morgen früh.. dann gibt’s den nächsten
(an dieser Stelle mal vielen Dank an die Informantin..
) Oh, und gestern war’s so unheimlich heiß draußen.. es wird wieder Sommer in Toronto!
Nach meinem Mittagessen bin ich erstmal nach Hause gefahren, wo ich einen ausgiebigen Mittagsschlaf gehalten hab. -Was keine gute Idee war, denn als ich wieder aufgewacht bin, fühlte ich mich wie erschlagen. ^^ Aber es half alles nichts, ich wollte ja noch auf die Ex gehen.. also ab Richtung U-Bahn-Station nach Union, wo ich erstmal ne knappe halbe Stunde auf die Mädels gewartet hab.. und sie auf mich. Ich drinnen, sie draußen. ^^ Am Ende haben wir uns glücklicherweise doch noch gefunden, und dann ging’s per Streetcar aufs Ex-Gelände. Die Ex heißt mit vollem Namen CNE, Canadian irgendwas-vermutlich national- exhibition, und ist ne Art große Michelsmess; auf der einen Seite hat man diverse Fahrgeschäfte und Buden und dann eine große Ausstellungshalle mit vielen Ständen, die Produkte aus den verschiedensten Ländern anbieten. Natürlich haben wir nach dem deutschen Stand gesucht, und irgendwann ganz empört festgestellt, dass dieser mit Italien, Frankreich und Russland zusammengelegt war und nichts als- Parfüm anbot. Klar, an nichts anderes denkt man bei Deutschland: Parfüm. Whatever. Die Ex war schon cool, aber die eigentlich vorgesehenen 16 Dollar Eintritt hätte sie nicht gerechtfertigt. Ab 5 pm kostet der Spaß glücklicherweise nur noch fünf Dollar, das konnten wir uns dann schon eher leisten. Drinnen haben Laura und ich uns je ein “I love Toronto”-T-Shirt gegönnt, kitschig as hell, aber es musste einfach sein
Außerdem hat’s nur vier Dollar gekostet- plus Steuern, die regen mich hier immer noch auf. Klamotten werden jedenfalls stärker versteuert als Lebensmittel, glaub ich. In der Ausstellungshalle haben wir uns auch eine slowenische Tanzgruppe angesehen. Das war wirklich witzig, denn so gut waren die absolut nicht. Waren eben auch alles Kinder, die ältesten vielleicht in meinem Alter.. der Oberkracher war ein laufender Meter von Junge, der mit einem zwei Köpfe größeren Mädchen tanzte, in das er locker dreimal hineingepasst hätte =D Die Musik dazu war absolut zum Abgewöhnen, und spätestens als es dann daran ging, das Publikum zu involvieren, machten wir uns klammheimlich vom Acker. Klar ist das nicht die feine englische Art, aber alles was recht ist.. abgesehen davon ist etwa das halbe Publikum und somit auch die Menschen geflohen, die vorher am Rand saßen, sodass wir der neue Rand waren.. wir hatten echt Angst, tanzen zu müssen.
Nach der Tanzgruppe machten wir uns auf den Heimweg.. was ich im Nachhinein noch von Steve über die Ex erfahren habe, ist, dass dort jedes Jahr die Innovation in Sachen Essen vorgestellt wird.. dieses Jahr ist es die “deep fried butter”. Was das ist? Wie der Name schon sagt- Butter, die man in Frittierfett wirft und dann isst. Steves Kommentar dazu: “Does that make any sense to you?”- Nope. Actually not. Irgendwie haben die hier in Bezug auf gewisse Dinge doch ein Rad ab.
Nachdem ich heimgekommen war, gab’s eigentlich nicht mehr viel Spannendes an diesem Abend. Es gab ein weiteres Mal das Steak vom Vortag, das ich tapfer mit viel Salz und Pfeffer runtergeschlungen hab, und dessen Rest ich zwischen zwei Brotscheiben gelegt und für heute aufgehoben hab, um Heather nicht zu kränken.. sie kann ja nichts dafür, dass ich nicht so der Fleischfan bin, ich hätte es ihr ja sagen können. Glücklicherweise haben wir auf der Ex auch einfach so Pfirsiche aus Ontario geschenkt bekommen-die echt lecker sind- sodass ich gestern mal keine von Heather ausm Kühlschrank klauen musste. :p Pausenbrot für heute war also somit schon gesichert.. außerdem gab’s gestern Bratkartoffeln, Tomaten und grünen Spargel. Ich bin froh, dass es hier viele frische Sachen zu essen gibt- ich lebe mittags schon ungesund genug.
Nach einer späten Dusche gegen 10 pm- mit der ich vermutlich wiedermal das ganze Haus aufgeweckt hab- ging’s direkt ins Bett.. meine Nacht wurde lediglich unterbrochen von gelegentlich nötig werdenden Fenistileinsätzen- ich hasse diese verfluchten Moskitos. Ich hab überall riesige rote Knubbel. ^^
Aber irgendwas muss hier ja auch mal negativ sein.. also positiv denken, die blaue Wasserhahn-Tasse ist immer noch halb voll
(keiner glaubt mir, wie sehr ich mich auf Sprudelwasser freue.. und normale Schokolade, die nicht total überteuert ist. Könnt ihr euch vorstellen, was Nutella hier kostet?- 4 Dollar! V-I-E-R! in Deutschland bezahlt man knapp zwei Euro.. aber das nur so am Rande.
)
Jetzt brauch ich erstmal meinen Schlaf, schätze ihr auch.. immerhin habe ich den Blogrückstand jetzt fast wieder aufgeholt.
Morgen geht’s wahrscheinlich ins Museum.. bin schon ganz gespannt. ^^
lots of kisses to good old rainy Germany
Val
Tag 9: “Welcome, don’t faint at our low prices, there’s no place to lie down.”
Stimmt, bei Honest Ed’s ist wirklich nirgendwo Platz zum Umfallen.
Dieser Laden ist so unglaublich voll von so unglaublichen Mengen an nutzlosen Dingen, dass mir außer IKEA kaum ein Konkurrenzunternehmen einfällt. Jede Menge Artikel mit Kanadaflaggen, Geschirr, Klamotten, Nahrungsmittel, seltsame Elvis-Büsten in schillernden Farben und vieles mehr, das niemand braucht und vermutlich auch kaum jemand kauft. Und tatsächlich hätte ich mich fast darin verlaufen, aber glücklicherweise war ich am Ende doch wieder draußen- und hatte sogar was gekauft^^ Dabei hab ich die arme Verkäuferin mal wieder in Verlegenheit gebracht mit der Frage “Do you take cheques?” Darauf folgt immer der verzweifelte Ruf nach einer Kollegin, dann die Frage nach dem Reisepass, dann die weitere Fragerei mit der Kollegin, was jetzt wo eingetragen werden muss und am Ende eine mitsamt Wechselgeld und Ware zufrieden rausspazierende Val, die die heile Supermarktwelt wieder einmal ins Wanken gebracht hat.
Danach trat ich meine abenteuerliche Reise nach Kensington Market an. Zu meiner Verteidigung möchte ich vorab bemerken, dass dieser Platz nicht auf der Karte vermarkt war..! Sonst hätte ich vermutlich nicht ganz so lange dorthin gebraucht. So hat es ne Weile gedauert; ich war bei Bathurst ausgestiegen, weil dort Honest Ed’s ist, dann war ich bis Queen’s Park gelaufen (wie ist mir ein Rätsel), danach nach Bloor gefahren, von Bloor wieder ein Stück zurück-weil die Subway-Tante gesagt hat, ich soll das machen- und nach Dundas, von Dundas dann ab in die Straßenbahn- und schwuppdiwupp war ich auch schon in Chinatown und Kensingtonmarket
Dort war am Sonntag Pedestrian Sunday, da wird die Straße gesperrt und die Leute feiern, es gibt viel zu Essen- was ich aber nicht angerührt habe, weil es teilweise richtig suspekt aussah
– jede Menge Musik und viele, viele Menschen. Es ist echt lustig, ziemlich laut und bunt, aber mir hat’s gefallen. Ich hab nichts gekauft, aber es war wirklich mal was anderes. Danach bin ich noch ein wenig weiter durch Chinatown gelaufen, und jetzt ratet,wo ich am Ende rauskam? -Queen’s Park. Genau da, wo ich meine Monstertour angetreten habe.. hätte ich mich ausgekannt, hätte ich von da aus nur eine Straße entlanglaufen müssen und schon wäre ich da gewesen. -.-’
Naja, auf diese Art und Weise entdecke ich immer mehr von Toronto..
Später am Nachmittag bin ich dann noch in den High Park gefahren. Der High Park ist ziemlich weit im Westen gelegen, die einzige Himmelsrichtung, in die ich noch nicht näher vorgedrungen war.. was ich hiermit jetzt auch erledigt hätte. Im Nachhinein hab ich erfahren, dass man in besagtem Park auch kostenlos schwimmen gehen kann, aber was soll’s, ich hätte eh nichts dafür dabei gehabt. Gegen 6 pm hab ich dann den Heimweg angetreten. Heather ist gerade von den Nachbarn wiedergekommen und hat dann angefangen zu kochen: “How do you like your steak?” Oh, das war wirklich eine Herausforderung. Ich und Steak.. und besonders, da selbiges eher medium als well-done gebraten war und ich echt mit mir kämpfen musste.. aber ich hab’s irgendwie geschafft
Wir haben draußen gegessen- wir die Steaks, die Moskitos mich- und uns mit einer von Heathers Nachbarinnen unterhalten. Hier sind alle wirklich total nett und aufgeschlossen. Meg- die Nachbarin- wollte ständig wissen, was dies und jenes auf deutsch heißt und hat mir dann diverse Redewendungen auf Englisch beigebracht, die so seltsam sind, dass ich sie nichtmal aufschreiben kann
Auch Heathers Sohn ist am Sonntag zurückgekommen, aber er hat sich an dem Tag noch nicht blicken lassen. Er war wohl ganze zwei Monate weg und hat erstmal ein wenig Schlaf nachgeholt. Inzwischen hab ich ihn übrigens getroffen und er ist echt nett- worüber ich doch irgendwie erleichtert war, denn bei 16-jährigen Jungs weiß man ja nie..
Auf jeden Fall war’s ein schöner Abend am Sonntag.
Tja, dieser Eintrag ist etwas kurz geraten, aber am Sonntag ist einfach nicht mehr passiert.. es ist wie in Deutschland: Sonntage sind einfach meistens ziemlich ereignislos
Freu mich schon drauf, bald wieder daheim zu sein.. ihr fehlt mir einfach alle
Val
Tag 8: “Follow me or get lost”
Samstag, ein aufregender Tag, der Tag, an dem ich die Niagaras sehen durfte. Seit ich diese Reise gebucht habe, war das ein ganz besonderes Highlight, auf das ich mich gefreut hab.. und gestern war es dann so weit. Heather war so lieb mich in die Stadt zu fahren, so blieb mir die U-Bahn erspart. Sie hielt mit ihrem Auto vor ROM- dem Royal Ontario Museum, wo auch schon der Bus stand sowie die meisten Mitfahrer. (Btw wiedermal zum größten Teil Asiaten.
) Da hab ich auch gleich Claudia wiedergetroffen, ein Mädel aus, wie ich bereits erwähnt habe (und wie der Name schon sagt)- Mexiko, und ihre Mutter. Nachdem ich den komplizierten Hallo-liebes-ISX-Mitglied-ich-bin-da-und-will-einsteigen-Prozess hinter mir hatte, ging’s ab in den Bus. Pünktlich um 10 am ging’s los, im strahlenden Sonnenschein und mit einer nicht minder strahlenden KG als Tourleiterin (“KG, like kilograms. I’ve got lots of them” ^^ ich weiß nicht genau, wo sie die hat, vielleicht hinterm Ohrläppchen.. but, anyways..). Ihr knallrotes T-Shirt trug die Aufschrift: siehe Überschrift dieses Eintrags.
Ein einladendes Motto, finde ich. Auch ohne überschüssige Kilos hatte sie es faustdick hinter den Ohren. Unser erster Zwischenstopp war Niagara-on-the-Lakes, ein schnuckliges kleines Dorf mit eigener Schokoladen-Fabrik, Fudge-Store, einem ganzjährig geöffneten Christmas Shop, Weinhandel und vielen anderen kleinen Shops. Der Stopp war nur für eine knappe Stunde geplant, um zu lunchen und sich die Füße zu vertreten.. manche hatten das Pech, zu spät zurück zum Bus zu kommen, und die durften dann ins Mikro singen. Die Freude war allseits ziemlich groß. Whatever, dieser kurze Zwischenstopp hat mir eine wichtige Erkenntnis mehr beschert: ich weiß jetzt,was Südamerikaner (oder wenigstens Mexikaner) mit Albanern gemeinsam haben. Ist das nicht toll?:) und da ihr alle sicher schon darauf brennt, es zu erfahren, will ich euch gar nicht länger auf die Folter spannen: Sie bieten dir immer was von ihrem Essen an. Mir war fast peinlich, mit welcher Selbstverständlichkeit Claudia und auch ihre Mutter mir direkt anboten, was an mich abzugeben, bevor sie selbst auch nur davon probiert hatten. Und noch was ist mir an den beiden Mexikanern aufgefallen- sie haben Zeit. Auch wenn sie eigentlich überhaupt keine Zeit haben, sie haben viel, viiel Zeit und die Ruhe weg. Ich find das einerseits bewundernswert und andererseits beunruhigend, da wir fast zu den Sängerkandidaten geraten wären, weil Claudias Mum kurz vor Ablauf der Zwischenstoppzeit nochmal in den Christmas-Shop geschlupft ist ^^
Um zehn Minuten verspätet ging’s dann also ab zu den Niagarfällen. Es war nicht mehr weit bis dorthin, und die Strecke wurde uns durch nette Stories über den Krieg der USA gegen Kanada versüßt, der zugunsten Kanadas ausging, das daraufhin nicht von den USA erobert wurde. Kurz darauf tauchten die Niagaras vor dem Busfenster auf, und diverse “aaahs” und “ooohs” gingen durch die Menge. Schon vom Busfenster aus sahen die Fälle echt riesig aus, kein Vergleich aber war der Anblick zu demjenigen, den wir vom Boot aus erhielten.. Nachdem der Bus gehalten hatte, stellten wir alle uns in der Schlange für die “Maid of the Mist” an, einem Ausflugsboot, mit dem man ganz nah an die Fälle kommt. Gaanz nah. Wir bekamen alle stylische Regencoats, die quasi für die Katz waren. Das Boot legte ab und keine fünf Minuten später war ich pitschnass. Aus meinen Haaren tropfte das Wasser und auch sonst lief es fast überall hin. *gg* Aber das war’s wert. Der Anblick war wirklich einmalig. Teilweise konnte ich nichtmal Fotos machen, weil das Wasser so weit gespritzt hat.. trotzdem sind es über 100 Stück geworden.
Nach der Tour bin ich sogar verhältnismäßig schnell wieder getrocknet, schließlich war es auch am Samstag schon wunderbar warm.. Das Wetter hat sich zum Glück wirklich zusammengerissen. Nachdem wir die Fälle ausgiebig von allen Seiten genossen hatten, haben wir uns Table Rock angesehen. Das ist eine Art Dorf, die zu den Niagaras dazu gehört bzw an der Straße dorthin liegt und nur aus Essensläden wie Starbucks und MacDonald’s, pseudo-intellektuellen Museen und angeblich interessanten Touri-Attraktionen besteht. Kurz: It’s just horrible. Ich fand’s wirklich furchtbar, dass ein so wunderschöner Ort von derart tourismus- und konsumorientiertem Schwachsinn durchzogen sein muss. Schrecklich. Ich wollte da wirklich schnellstmöglich weg, aber ich glaube, Claudia und ihre Mum fanden’s toll. Sie haben wirklich alles fotografiert, und die Mum ist von einem Outlet-Store in den nächsten gehechtet. Ich war froh, als wir wieder auf der Promenade waren, die doch weniger voll und laut war. Dort haben wir ausgiebig “Hershey” begutachtet, einen Laden voller- SCHOKOLADE!
Ich hätt diesen ganzen Laden am liebsten aufgefuttert, am Stück, wie er war, mit Einrichtung, mitsamt dieser niedlichen kleinen Wasserfälle und Schokoladen-Stoffpuppen überall, es war wundervoll.
Tja, und dann war’s schon wieder Zeit für die Rückfahrt. Die Heimreise dauerte wesentlich weniger lange, da weniger Staus auf der Strecke und kein Zwischenstopp mehr.. und ich durfte ein weiteres Mal Downtown in der Dämmerung erleben. Gegen 9 pm waren wir wieder in Toronto, dann ging’s auf direktem Weg mit der Subway nach Hause und nach einem ausgiebigen Diner- Chicken-Sandwich, Tomaten und die unvermeidlichen Cookies- nur noch ins Bett. Kanada macht echt müde.
Tjaa, ich weiß, ich bin ein wenig im Verzug mit den Einträgen, aber momentan ist hier einfach so viel los.. also seht’s mir nach
greets from sunny Toronto& loove
Val
Tag 7: “This one is for..if you want strong breasts”
Okay, nachdem ich das Blogschreiben zwei Tage lang hab schleifen lassen, muss ich jetzt zwei Tage nachholen. Mal sehen, ob ich noch alles auf die Reihe bekomme.. also, fangen wir an mit Freitag vormittag.
Am Freitag morgen hat sich unsere Klasse auf wundersame Weise um fünf Mitglieder vermehrt. Einer der Lehrer war krank, sodass wir gändigerweise die Heimatlosen aufgenommen haben.
Zunächst kam es zu einer interessanten Diskussion über Reality-TV, ausgelöst von der Österreicherin, die am Tag zuvor “Jersey Shore” gesehen hatte. Ein Deutscher von den zugewachsenen hat daraufhin erzählt, dass er bei den ersten drei BigBrother-Staffeln zur Casting-Crew gehört hat. Da sieht man mal, dass nur die Elite auf die ILSC geht.
Besonders begeistert haben mich die Auswahlkriterien bei der dritten Staffel.. da in der zweiten Staffel die Teilnehmer bereits begriffen hatten, dass man sie auch beim Duschen filmt, trauten sich diese nur mit Badeanzügen unters Wasser. Da man das in der darauffolgenden Staffel vermeiden wollte- nichts ist ja wichtiger als die Quoten- wurden beim Casting nach zweistündigen Gesprächen die Bewerber aufgefordert, ihre Hosen runterzulassen. Wer verweigerte, flog raus. Ja, das ist Fernsehen.
Es folte eine Vorstellungsrunde: “Say your name, where you are from and just one other sentence about you!” Die erste fing an mit “Hello, I’m —, I’m from Brazil and I’m leaving tomorrow.” So war das glaub ich nicht gedacht, aber es trat eine Welle von Trittbrettfahrern los.. jeder hat einfach als unglaublich aussagekräftigen Satz über sich selbst erzählt, wie lange er noch bleiben wird.
Danach packte Steve (-> der Lehrer) seine Gitarre aus und schmetterte diverse Elvis-Songs für uns. Natürlich wäre bloßes Zuhören zu anspruchslos gewesen, deshalb mussten wir versuchen, möglichst viel von den Lyrics mitzuschreiben, um anschließend selbst mitsingen zu können. Das hat irgendwie mehr schlecht als recht geklappt.. aber lustig war’s allemal.
Um die Anforderungen dieses Tages bis ins Unendliche zu steigern, ging’s anschließend Kaffee trinken. (das ist fast wie in Deutschland in den letzten Schultagen.. ihr wisst, was ich meine ^^) Ja, am Tisch ging’s recht turbulent zu. Die Brasilianer haben sich über die Argentinier ausgelassen (unter starkem Protest von Andrea, die ja alle Argentinier soo toll findet) und erklärt, dass sie beim WM-Spiel Argentinien-Deutschland für uns gejubelt haben. In diesem entscheidenden Moment kam bei mir zum ersten Mal fast sowas wie Patriotismus auf.
Außerdem war an diesem Tag irgendwie jeder ganz heiß drauf, Fotos zu machen.. grade an dem Tag, wo ich total furchtbar aussah. -.-’ ^^
Nach der Mittagspause ging’s dann ab zum Hot Yoga. – Naja, eigentlich war es mehr “chill yoga”, denn wirklich aufgeheizt war der Raum nicht. Ich fand’s trotzdem cool, besonders die Atemübungen, die angeblich überflüssigen Hüftspeck verschwinden lassen, einen am Morgen sofort wach machen und die Nase freipusten, und die Augenübungen, dank derer man bald keine Kontaktlinsen mehr braucht..was Yoga alles kann, ist echt erstaunlich. =D Aha, und nicht zu vergessen: “This one is for.. if you want strong breasts” ^^
Dann war’s erstmal Zeit für ne Dusche. Vorher hab ich noch ein Souvenir gekauft, das ich hier nicht näher beschreiben kann, da die beglückt werden sollende Person es noch nicht erhalten hat.. aber, hab ich’s schon gesagt? Ich find’s toll =p Gegen 6 pm hab ich dann HH (-> Heather’s Home) wieder verlassen und mich erstmal aufgemacht zum Supermarkt.. schließlich hatte ich noch immer kein Supermarkt-Shopping betrieben! (ein ganz wichtiger Punkt auf meiner Toronto-Liste.) Ich muss sagen, ich war total aus dem Häuschen. Direkt nach der Obstabteilung ging’s los mit Gebäck. Überall, soweit das Auge reicht. ^^ Ich konnte mich kaum noch losreißen.. zumindest nicht, ohne wenigstens ein Mini-Päckchen Cinnamon Rolls zu kaufen (die so unglaublich gut schmecken, dass ich ernsthaft erwäge, ob meine geliebten Cookies Konkurrenz bekommen..) Weiter ging’s in die Abteilung mit diversen Brotaufstrichsorten.. ich hab noch keine Erdnussbutter gekauft, nein. Aus dem Grund, dass ich mir über die Größe noch unsicher bin. 2 kg sind inakzeptabel, die werden Übergewicht erzeugen (sowohl im Koffer als auch in meinem Bauch
), 1 kg ist grenzwertig, aber es gibt auch 750 g- Gläser. Vielleicht nehm ich so eins. Danach kam die Keks-Reihe. Das war sowas von der Untergang.. ich bin, glaub ich, mindestens 10mal diese Reihe entlang gelaufen und konnte mein Glück kaum fassen.. ich hab noch nie in meinem Leben so viele Kekse auf einem Fleck gesehen.
) Ich wollte welche haben, ach was, ich wollte sie alle, alle alle alle, und..- ich hab gar keine gekauft. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, genauso wenig konnte ich den Gedanken ertragen, ein Päckchen zu kaufen und damit der Sorte den Vorzug zu geben, die ich nicht besser kenne als die anderen, und noch weniger wollte ich eine Sorte kaufen, die ich schon kannte- das wäre ja sinnlos gewesen. Also keine Kekse, dafür Schokoladen-Erdnuss-Karamell-Dinger mit vielen Kalorien und noch mehr Glückshormonen
Was hab ich noch gekauft? Zahnpasta. Colgate Total.
Nachdem ich auf die Tour eingekauft hatte, was mich ca. 40 Minuten und knapp 10 Dollar kostete, hab ich mich auf den Weg Richtung “The Ex” gemacht. Das ist eine Art riesiges Volksfest, mit Musik und Shows, Ausstellungen und natürlich jeder Menge Essen. Im Prinzip sone Art kanadische Michelsmess^^ Ich hab also den ganzen langen Weg dahin angetreten- allein, weil die deutschen Damen familiären Verpflichtungen nachgingen- um dann festzustellen, dass der Spaß 12 Dollar Eintritt kostet. Eigentlich hatte ich den beiden Oberfränkinnen vorgeschlagen, nächste Woche zusammen hinzugehen- und zweimal Eintritt bezahlen für ein Volksfest? Nö. Also ab in die nächste Streetcar und wieder mal auf gut Glück irgendwo ausgestiegen. ^^ Wobei, das Risiko war sehr gering.. schließlich hatte ich auf dem Hinweg schon das Seeufer entdeckt. Welches ich nach einer halben Stunde Fußweg von der Straßenbahnhaltestelle auch wiederfand. :p Aber der Weg war’s wert. Toronto in der Dämmerung.. amazing! Ich war grade in dem Stadtteil in Downtown gelandet, wo die meisten Hochhäuser stehen, unter anderem auch der CN-Tower, und das ganze beleuchtet zu sehen, war einfach der Wahnsinn. Ich hab ewig für den Weg gebraucht, einfach weil ich aus dem Starren und Staunen gar nicht mehr herausgekommen bin. Ich weiß nicht, was ich dazu sonst noch sagen kann. Es war beeindruckend. Bald werden ein paar Bilder folgen,aber die sind wie immer unzureichend und unbefriedigend. Anyways, diesen Abend kann ich leider nicht richtig mit euch teilen. Manche Dinge muss man einfach selbst sehen.. ich wüsste nicht, wie ich euch das vermitteln könnte. Heute (Samstag) Abend kam gleich noch so ein Moment.. ich hab einen echt schönen Sonnenuntergang gesehen. Marina und Schneps, den hätte ich euch wirklich gegönnt.. vor allem, weil doch in der Toskana immer was dazwischen kam. Ich hab auf jeden Fall ganz fest an euch gedacht.
Sentimentalität macht müde.. und ein Trip nach Niagara auch. Der Samstags-Bericht folgt also morgen, bis dahin, schlaft schön, ich werd’s auch tun:)
lots of kisses to all my honeys in Germany!
Val
Tag 6: “Feed a dog with peanut butter” oder: Mission accomplished: Made my way from Coxwell through to Woodbine!
Ja, meine Lieben, Unterricht kann ja soo lehrsam sein. Solltet ihr also einen Hund und zufällig auch Erdnussbutter im Haus haben- tut euch keinen Zwang an, das Unangenehme mit dem Sinnlosen zu verbinden und gebt dem Tier ein bisschen von eurem Brotaufstrich. Dies soll mindestens zu derart klebrigen Ergebnissen führen, wie die columbianischen Kaffee-Bonbons, die uns heute netterweise Anna-Maria aus selbigem Land zur Verfügung gestellt hat.
Heute stand auf dem Plan: Gruppenarbeit. So wie eigentlich jeden Tag. Für alle, die jetzt befürchten, eine gewisse Frau Fischer- auch Mongo-Monie genannt- habe sich in Toronto eingeschlichen und das System der Paar- bzw Stillarbeit in Kanada etabliert, den kann ich beruhigen, denn er irrt: In einer Klasse mit sieben oder acht unterschiedlichen Nationalitäten gibt es nur wenig lustigeres als Gruppenarbeitsaufträge. Mein heutiger Partner: irgendwer aus Korea. Er ist seit zwei Monaten in Toronto und will noch über ein Jahr bleiben, was, wenn ihr mich fragt, absolut sinnvoll ist- um, wie er es sich wünscht, perfekt flüssig Englisch zu lernen, wird er wohl genauso lange brauchen. Es ist eigentlich gar nicht schwer, ihn zu verstehen, denn er sagt nie irgendwas. Ja, mit sowelchen Leuten macht eine Partnerarbeit besonders viel Spaß. Die Aufgabenstellung: einen Text lesen und darüber sprechen, anschließend den Text den anderen vorstellen. Eigentlich nicht allzu schwierig.. wenn man die Rechnung ohne den koreanischen Wirt macht. Ich habe versucht, mit ihm über den Text zu sprechen. Er kam immerhin bis “the problem is..”.. .. .. ich wartete.. .. .. und wartete.. .. .. aber nichts kam sonst, also hab ich, um das Ganze abzukürzen, schnell das Problem zusammengefasst. Und er: “right. the solution is..” .. .. .. ich wartete.. .. .. und wartete .. .. .. und ich hab die Lösung zusammengefasst. “right. the results are..” Um das Ganze abzukürzen, spar ich mir die ganzen Punkte, denn ihr wisst ohnehin, wie es weitergeht. Der Kerl ist wirklich nett, ohne Zweifel, aber sprechen ist einfach nicht so sein Ding. Danach ging es an die Vokabeln. Im “Gespräch” vorher hatte er mir erzählt, dass er in Korea Geografie studiert. Der Text handelte von der Zerstörung der Korallenriffe auf den Philippinen durch Dynamit und Giftstoffe, die zum Fischfang eingesetzt werden. “Do you know what coral reef means?” Hey, bist du echt Geografiestudent und kennst keine Korallenriffe? Ich dachte, gut, nennen wir ein Beispiel. Jeder steht schließlich mal auf dem Schlauch. “Do you know the Great Barrier Reef, for example?” “Err.. no..” Okay, kein weiterer Kommentar zu diesem Thema.
Meine nächste Gruppe bestand dann aus einer Columbianerin, dem Mädchen aus Saudi-Arabien und mir. Die ersten beiden hatten ihre Texte nicht verstanden und folglich gestaltete sich die Diskussion recht schwierig.. was die vorgegebene Thematik betraf. Ansonsten verstanden wir uns gut, wir redeten über Sprachen- die Columbianerin erklärte “ich lieb dich” auf Deutsch, die Saudi-Arabierin versuchte sich am Spanischen und Französisch probierten wir gemeinsam, dann redeten wir über Jungs und dass die S-A vier Jahre lang ihren Freund vor ihren Eltern geheim halten musste, solange sie zusammen waren. Wir sprachen über unterschiedliche Begrüßungen in verschiedenen Kulturkreisen und darüber, dass alle Argentinier angeblich total heiß sind und sich mit Küsschen begrüßen, auch gleichgeschlechtlich. Die S-A musste meinen und den Namen der Columbianerin (sie heißt Andrea) auf Arabisch schreiben- es sieht echt total schön aus, ich war echt beeindruckt- und beide haben sich darüber beschwert, dass ihr Freund sie nicht genug liebt.. das Gespräch war genial
Manchmal können Menschen aus anderen Ländern so viel unkomplizierter sein als die aus der Heimat.. man beginnt einfach zu reden und macht sich keine großen Gedanken. Das ist eine wirklich geniale Erfahrung.. ich bin wahnsinnig froh, dass es so läuft.
Nach der Schule bin ich diesmal direkt nach Hause gegangen- naja, fast direkt, ich habe ENDLICH einen brauchbaren Markt entdeckt. Und der ist wirklich toll, da bekommt man einfach alles an frischen Sachen, kann sich Salate zusammenstellen und findet Unmengen von Gebäck.. guess where I’m gonna go shopping before I get back?
Danach war ich dann für zwei oder drei Stunden im Patricia Drive, danach ging’s wieder ab in die Schule, die heute einen Trip nach Greektown angeboten hat. Die beiden deutschen Mädels hatten mich gefragt, ob ich mitkomme, und ehrlich gesagt hatte ich nicht viel besseres vor, also wieso nicht. Heute hab ich ein weiteres deutsches Mädel kennen gelernt, and guess what, sie kommt auch aus Bayern. Bald haben wir alle Regierungsbezirke durch: Ich aus Unterfranken, die “Neue” aus Mittel- und die beiden anderen aus Oberfranken. Die Welt ist ein Dorf!
Leider wollten die drei lieber deutsch reden, und ich hab mich dem Gruppenzwang gebeugt.. aber es fühlt sich schon irgendwie komisch an, unter Nordamerikanern Deutsch zu reden. Am Ende der Tour sind wir essen gegangen, natürlich in einem griechischen Restaurant. Wir haben Pita mit verschiedenen Dips gegessen- es war echt lecker und auch relativ preiswert. Außerdem bekommt man, wie ich jetzt erfahren hab, in Kanada zum Essen kostenlos stilles Wasser dazu. Das find ich irgendwie ziemlich cool.
Auch, wenn uns ständig nachgeschenkt wurde, und irgendwann wurde es zuviel, sodass wir uns krampfhaft an unseren Gläsern festgehalten haben, immer wenn der Nachschenker vom Dienst vorbeikam..^^Der Kellner hat auch bald gemerkt, dass wir kein Englisch reden, und hat uns gefragt, wo wir herkommen (währenddessen haben die Asiatinnen fleißig ihr Essen fotografiert, von dem sie anschließend ein knappes Viertel aßen- der Gag war, dass der Teller zum Großteil mit Reis gefüllt war
sowas Exotisches.. ) Als wir gesagt haben, dass wir Deutsche sind, hat er losgelegt: “Yeah, Germany, my wife comes from Germany, she lived in Berlin, her mother is always going like ‘Mensch, Mensch, Mensch’”
We laughed so hard
Nach der Greektown-Tour haben wir uns getrennt und wir sind alle nach Hause gefahren. Ich war so mutig, wieder mal bei Coxwell, also eine Station zu früh, auszusteigen und zu sehen, wie ich zu Fuß nach Hause komme. Hach , was soll ich sagen, ja, ich hab mich in Coxwell mal verlaufen, ja, ich hab mich heute in Coxwell ein weiteres Mal verlaufen, nein, es wird mir nicht wieder passieren, denn am Ende hab ich diesmal den Weg gefunden. Somit ist mein Tagesziel erfüllt, wenn es auch meine Heimkehr um etwa eine Stunde verzögert hat =) aber Coxwell ist eine recht nette Gegend, und mit einem guten Song im Ohr- hauptsächlich Smashing Pumpkins und Jason Mraz- und der Sonne im Gesicht gibt es Schlimmeres.
It’s just like.. Schneps.. I’m explorer.
Ich war noch nie so froh über den Anblick der Danforth Ave wie heute..
Ja, als Schlusswort bleibt mir nur noch, den verbotenen Begriff in die Runde zu werfen: FACHARBEIT!
– für die ich heute eigentlich was tun wollte, aber leider, leider wurde ich abgelenkt.. schönen Gruß an alle, denen es ähnlich geht
Ich vermisse euch alle total!
love,
Val
Tag 5:”I’m just gonna pretend to park legally.. right here”
Tja, Parken in Toronto gehört nicht zu den einfachsten Tätigkeiten, besonders dann, wenn man einen überdimensionalen Pick up, Dodge oder sonstige Mordsautos fährt, die nichts und niemand rechtfertigt, die aber trotzdem hier die Regel sind. Heute Mittag habe ich tatsächlich einen VW Golf entdeckt und habe ganz kurz überlegt, ob ich ihn fotografieren soll. o.O Naja, wie könnte es auch anders sein, hier muss jede Strecke mit dem Auto zurückgelegt werden, sonst ist das Ganze einfach nicht stilecht. Also, auch wenn es nur von Woodbine nach Coxwell ist, was gerade mal eine U-Bahn-Station ausmacht. Immerhin hat es geregnet, da kann ich mir zumindest noch einbilden, dass das der Grund für die eigentlich überflüssige Benutzung des Autos war.
Der Anlass war jedoch ein anderer: eine Art Jazz-Konzert in einem kleinen Park in Coxwell, das ich zusammen mit Heather und zwei ihrer Nachbarinnen besucht habe. Leider hat es ausgerechnet da wieder angefangen, zu regnen. Und zwar nicht in niedlichen kleinen Tropfen, sondern wie aus Eimern, sodass wir alle nach etwa fünf Minuten pitschnass waren. Die Frontfrau war- wie auch Heather zuvor- recht optimistisch: “it’s already lightening up!” (für meine Begriffe hat sich da nichts up gelightet, aber bei den Kanadiern sind alle Gläser aus Prinzip halb voll, und wenn sie leer sind- naja, lieber ein leeres Glas als gar keines!
) Drei Songs haben wir durchgehalten- ich muss sagen, die Musik hatte auch echt was, vor allem der Contrabass-Spieler war mir aus naheliegenden Grünen sympathisch- dann kam der Alternativvorschlag auf: “Let’s get some ice-cream!” Ich liebe die Kanadier
Das Eis war super, wenn es auch für Gewissensbisse sorgte (“Actually I’m on a diet..”- “I’m not telling anyone.”-”But I know it!”) Danach gab’s erstmal ne heiße Dusche..
Die Schule war auch wieder ziemlich interessant heute. Am Anfang sollen wir immer erzählen, was wir am Tag zuvor gemacht haben, und irgendwie fange ich jeden Tag an mit “well, I just got into a subway and got off anywhere to discover the environment”.
Ich glaube, das könnte eine Art running gag werden.. besonders weil ich gestern mit einer unglaublichen Ausdauer bereits nach 100 m St. Claire beschlossen hab, dass diese Gegend verdammt unspannend ist und daraufhin direkt in die nächste U-Bahn eingestiegen bin.^^ Danach haben wir einen Film über den Ölverbrauch in den USA und die Ölgewinnung gesehen.. manchmal entstehen daraus Gespräche, die in einer Multi-Kulti-Klasse echt bereichernd sein können. Zum Beispiel haben wir auch davon gesprochen, wie unglaublich freundlich die kanadischen Verkäuferinnen sind.. unser Lehrer hat daraufhin erzählt, dass es bei Walmart einen Berufs-Begrüßer da ist, der nur dafür gut ist, die Kunden zu begrüßen, und dass die Einführung des selbigen in Deutschland gescheitert ist, weil die Deutschen nicht so gern begrüßt werden wollten. Die Kolumbianer haben daraufhin erzählt, dass ihnen die Verkäufer gar nicht mehr von der Pelle rücken, da sie nur Geld bekommen,wenn sie auch was verkaufen..^^
Nach der Schule hab ich mein Ticket für die Niagarafälle gekauft. Am Samstag geht’s hin, I’m really looking forward to that!
Durch meine U-Bahn-Jumping-Methode hab ich heute Bloor entdeckt. Dauernd muss ich da umsteigen, bin aber noch nie aus der Station rausgekommen.. heute schon. Und siehe da- jede Menge Fressalien überall.
Ich bin dort in einen Fast Food- Laden gegangen, der “Pizza Pizza” heißt und habe ein gefülltes Sandwich bestellt. Der Koch hat es in den Ofen geschoben und warm gemacht.. währenddessen hat er ein wenig Smalltalk betrieben, gefragt ob ich zur Schule gehe, wo ich herkomme, wie lange ich hier bin und so weiter. Da hat sich plötzlich ein anderer Angestellter mit eingeschaltet, er sei Fan der deutschen Mannschaft, und ob ich Facebook hätte, da wär ein Bild von seiner Flagge drin.
Klar war ich so doof mit ja zu antworten, schnelles, unüberlegtes Handeln war eben immer schon eine meiner Stärken.. auch klar, dass er dann meine E-Mail-Adresse haben wollte, mit der ich dort angemeldet bin. Ich hab dann versucht ihm zu erklären, dass ich ja unglaublich viele verschiedene E-Mail-Adressen hab und gar nicht mehr weiß, welche da jetzt zu Facebook gehört. “You have yahoo? hotmail?”- “Eeeerrr.. no. it’s a german one, it’s not that popular..” (der andere Koch) “What? the internet is not popular in Germany??” Ehm.. wie war das nochma mit der Völkerverständigung?
Also, nein, in Deutschland gibt es quasi fast nirgends Internet, wir bevorzugen Rauchzeichen und Brieftauben und wenn ein Kanadier ein Bild unserer Flagge auf Facebook postet, ist das für uns das größte und wir benennen einen Feiertag nach besagtem kanadischen Helden.. die Story endete damit, dass ich mich irgendwie aus der Affäre ziehen konnte und der Typ mir seine Facebook-ID aufgeschrieben hat. Damn it, wird man neuerdings schon als Kunde in einem Fast Food-Restaurant angegraben?
This is just horrible.. (btw war der überhaupt nicht toll, gar nicht, vollkommen unschön und bestimmt über dreißig, verdammt ;D) Whatever, das Sandwich war mega-lecker!
D
Nachdem ich mir in Bloor essen gekauft hatte, bin ich in die U-Bahn gestiegen und war plötzlich in Wellesley. Als Zeugnis meiner unendlichen Verwirrung bin ich da sofort wieder ausgestiegen, weil ich dachte, ich sei falsch->eigentlich war ich richtig unterwegs Richtung Norden. (jaa, Olli, mach dich bloß lustig; die U-Bahn ist zwar idioten- nicht aber val-sicher! :p) Also, irgendwann hab ich dann doch noch die nächste richtige U-Bahn gefunden.. ich wollte endlich den Ontario sehen. Es gibt hier eine Station, die Bayview heißt. Sie liegt relativ abseits und man ist für Subway-Verhältnisse recht lange unterwegs. Ich hab mich also auf den Weg dorthin gemacht, bin an der Station ausgestiegen und hab gleich gemerkt, dass ich hier echt außerhalb bin.. kaum noch Hochhäuser, breitere Straßen, mehr Autos und weniger öffentliche. Joa. Viel mehr gab’s da auch nicht. Ich hab gegenüber ein Einkaufszentrum entdeckt und dachte mir, hey, einkaufen, hab ich so lange nicht getan, also los! Naja, was soll ich sagen, als nicht-Bonze braucht man da eigentlich nicht rein. Und entsprechend schnell war ich auch wieder draußen. Was sollte ich auch da drin, ich wollte ja den See sehen.. der aber leider nirgends zu entdecken war, denn Bayview hat nicht im geringsten irgendetwas mit dem See zu tun. Wie könnte man auch darauf kommen, bei dem Namen.. -.- ich hab mich irgendwann entschlossen, doch mal in meine schlaue Karte zu sehen.. und die sagte mir: Val, du bist ganz im Norden von Toronto, und der Ontario ist ganz, ganz weit im SÜDEN.
Okay, ich werd mich hier zum Thema Orientierung nicht mehr äußern.. immerhin weiß ich jetzt, dass der See wohl über Busse besser zu erreichen ist. Vielleicht versuch ich mein Glück bald nochmal. Vielleicht haben die den See aber auch einfach zugeschüttet, nur um mich zu verwirren.. den Kanadiern mit ihrem ironischen Humor traue ich quasi fast alles zu.
Anstatt des Lake Ontario habe ich mir also den Queen’s Park angesehen. Was heißt angesehen- ich war mitten drin. Und ich muss sagen, das hat sich auch gelohnt.. so ein Park inmitten riesiger Hochhäuser (die ich ja bereits vereinzelt erwähnt hab..) hat schon was. Vor allem, wenn dort überall Eichhörnchen herumrennen.. ich liebe die Eichhörnchen. Sie sind einfach überall. Das witzige am Queen’s Park ist, dass, wenn man auf dem Gras sitzt, unter einem die U-Bahnen vorbeifahren.. und das spürt man natürlich. ^^ Ja, da hab ich ne Weile gesessen und die Sonne genossen.. danach bin ich wieder zurück nach Woodbine gefahren und als ich dort wieder ans Tageslicht kam, war alles pitschnass vom Regen, den ich unter der Erde leider verpasst hab.
Noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Mum, Dad, danke, dass ihr mir Adapter für die Steckdosen besorgt habt, aber die sind schon ein wenig ein Fail.. in dieser Packung ist genau EIN Kanada-kompatibler Adapter, die anderen sind für Europa/Japan/whatever. Was macht das für einen Sinn? Wer schafft es, gleichzeitig in Deutschland und Japan einen Adapter zu benötigen?
Deshalb muss dieser Blogeintrag hier leider enden.. mein Handy-Akku ist leer, ich brauche die Steckdose
In diesem Sinne, schlaft schön in Deutschland, werd ich auch bald machen, auch wenn es erst 10 pm ist.. muss ja auch früh wieder raus
xoxo,
Val
Tag 4: “Hey.. was macht ihr so?”-”Pssssst!”
Dienstag morgen in Toronto, ein Morgen wie alle anderen zuvor. Mit einer Ausnahme: Die Sonne war zu sehen! Sie war, und sie ist es immernoch. Da fühlt man sich doch gleich wie ein neuer Mensch, nicht wahr? Endlich Sonne, ihr könnt euch ja gar nicht vorstellen, wie das blendet, wenn die Sonnenstrahlen auf die riesigen Glasfronten treffen! Eins dieser Bankengebäude, die Bank heißt RBC- Royal Bank of Canada, ist metallic-golden und schimmert wahnsinnig eindrucksvoll in der Sonne. Das schöne Wetter hab ich mir direkt zum Anlass für meinen ersten Starbucks-Kaffee genommen: Vanilla Iced Latte.
Schneps, dein Java Chip Chocolate Frappuccino kommt noch, versprochen! Und gleich noch zum Thema Starbucks, mit den Preisen verhält es sich genau so, wie ich es vermutet hatte: Es sind dieselben wie in Deutschland, bloß in Can$. Das heißt, dass die uns in Deutschland ganz schön übern Tisch ziehen, Dollar sind schließlich weniger wert als Euro. o.O Wobei dann ja noch die Steuer oben drauf kommt, aber selbst dann isses noch billiger als in good old Germany.. Apropos Steuer, das ist etwas, das ich hier nicht ganz nachvollziehen kann: Die schreiben hier in Kanada nur die reinen Warenpreise auf die Schilder, und dann darf man sich an der Kasse überraschen lassen, wieviel Steuer noch dazu kommt. Wenn man also einen Tall Iced Coffee Latte bestellt und der kostet laut Schild $3.60 , bezahlt man in Wirklichkeit $3.78. War ich bisher bloß zu naiv oder ist das wirklich komisch? Welchen Sinn macht das bitte? Geschicktes Hinters-Licht-führen der armen, unwissenden ausländischen Kunden? ^^ Abgesehen davon ist einkaufen hier wirklich angenehm. Ich weiß ich wiederhole mich, aber die Leute sind einfach so dermaßen freundlich.. wenn du reinkommst, fragen sie dich erstmal, wie es dir geht, dann, ob sie dir helfen können, und wenn du verneinst, lächeln sie dich glückselig an und schweben davon. Aber auch allgemein, klar sind viele in Eile, aber keiner schubst dich weg oder drängelt, falls dich doch mal jemand anrempelt, entschuldigt er/sie sich- heute hat sich sogar ein verträumt durch die Gegend stolpernder Cop bei mir entschuldigt, der meinen Weg etwas unerwartet gekreuzt hat…
Und, was mir noch aufgefallen ist, keiner starrt dich an. Du kannst rumlaufen, wie du willst, es interessiert niemanden. Wenn du Hilfe brauchst, ist sofort jemand da, aber ansonsten kannst du dich sowohl modisch als auch unmodisch frei entfalten. Ich persönlich finde das ziemlich genial. Ich weiß nicht, ob das in allen Großstädten so ist, jedenfalls fällt es mir hier besonders auf. Was gibt’s noch zu sagen zum Thema “shopping in Toronto?” Ja, also ursprünglich wollte ich nach Hause. Dann bin ich nochmal kurz ins Eaton Center geschlüpft.. kein guter Einfall, wenn man kein Geld ausgeben möchte. *gg* Also, sagen wir’s wie es ist: Ich wollte eine Strickjacke oder was Strickjackenartiges kaufen und bin mit einem paar Ohrringen und Unterwäsche wieder rausgekommen. :p Das ist sone Form weiblicher Logik: Wen interessiert’s schon, ob ich frieren muss? Hauptsache, ich seh untenrum gut aus.
Was hab ich heute sonst noch so gemacht? Ah ja, ich war kurzzeitig mit den zwei fränkischen Mädels unterwegs. Eine hab ich während der Schulzeit schon kurz getroffen- die beiden belegen einen anderen Kurs als ich- und hab sie aus Versehen kurz auf Deutsch angesprochen. Sie hat sofort abgewunken, was auch gut war, denn jeder, der dabei erwischt wird, wie er seine Landessprache spricht, bekommt eine gelbe Karte, und wer davon zu viele hat,fliegt raus.
Das ist doch mal ne sanfte Methode, Schüler zum Englisch sprechen zu motivieren, findet ihr nicht auch? Mein Kurs an sich ist aber recht interessant. Gut, zuerst haben wir eine Reihe von “irregular verbs” durchgenommen, das war jetzt nicht so besonders spannend, aber danach sind wir ins computer lab gegangen und sollten ein Thema, das die Bevölkerung in unserem Land/unserer Heimat betrifft, aussuchen und dann in Gruppen darüber referieren. Das war wirklich interessant. Mein Thema war das Rauchverbot in Bayern, aber die anderen waren wesentlich aufregender. Ein Mädchen aus Kolumbien hat beispielsweise erzählt, dass ihre Stadt es nicht gebacken bekommt, den ganzen Müll zu beseitigen und deshalb sogar oft der Flughafen gesperrt werden muss. Jemand anders aus Korea hat darüber gesprochen, dass die Regierung ihres Landes einen Teil des Meeres vor ihrem Dorf einfach mit Sand zuschütten will, um neues Land zu schaffen. Gegen solche heftigen Themen kam ich mir mit unserer überspitzten Bayrischen Demokratie richtig lächerlich vor.
Aber allein der Umstand, dass meine Klasse aus Kolumbianern, Koreanern, einer Japanerin, einem Saudi-Arabier, einer Österreicherin (die perfekt Englisch spricht, sogar mit kanadischem Akzent, sodass ich mich frage, wie lange sie schon dort ist) und mir besteht, macht die Diskussionen im Unterricht ziemlich abwechslungsreich. Die Kolumbianer zum Beispiel haben erzählt, dass sie permanent frieren in Toronto (es hat hier schätzungsweise so um die 20-25°C). Beide haben noch nie Schnee gesehen. Das Mädel aus Japan- sie wohnt in Tokio und heißt Mahomi- ist total nett. Man kann sich gut mit ihr unterhalten, trotz starkem Akzent, und ich finde es überaus witzig, dass sie englische Literatur studiert, aber keinen Lieblingsautor nennen konnte, weil sie “noch nicht so viel gelesen hat”. (: Leider will sie den Kurs wechseln, aber erst nächsten Montag.. bleibt also noch ein bisschen Zeit bis dahin. Sie hat übrigens davon berichtet, dass in Japan viele alte Menschen vermisst werden, weil sich ihre Familien einfach nicht darum kümmern, was mit ihnen passiert. Sie wissen zT nicht, ob ihre Eltern oder Großeltern tot sind oder noch leben.. manche vertuschen sogar deren Tod, um ihre Rente zu beziehen. Es ist so verrückt, dass sowas gerade in Japan passiert, wo doch angeblich der Familienzusammenhalt so großartig sein soll.. die Koreanerin konnte diese Negativwende nur bestätigen. Und alle haben sie dasselbe Problem: die Überalterung. Bloß die Kolumbianer konnten damit nichts anfangen.
Hatte ich schon erwähnt, dass sogar der Verkehr hier toller ist als zu Hause?
Die Fußgängerampeln sind viel größer, und sie haben eine Sekundenanzeige, die Auskunft darüber gibt, wie lange die Ampel noch grün sein wird. Steht die Anzeige auf null, wird die Ampel erst orange und dann rot und eine große rote Hand erscheint anstelle des zuvor sichtbaren laufenden Männchens. (nochmal an Schneps, der Deutsch-LK fehlt mir, unsere Schachtelsatzgebilde fehlen mir, gib mir Stilmittel, gib mir Symbolik, gib mir Humanität! ;D) Vor allem die U-Bahn ist idiotensicher. In deutschen U-Bahnen finden sich unheimlich viele verschiedene Linien, immerzu muss man nach der Endstation suchen, um die richtige Richtung herauszufinden, und dann steigt man in die grüne, blaue, rote, gelbe, hellrosa, olivfarbene, aubergine, ölfarbene (gell becki?
), beige, braune, ocker- oder sanddornfarbene Linie um. Alles Quatsch, Toronto hat die Lösung: Hier gibt es nur Norden, Süden, Osten und Westen, und fertig. Glaubt mir, herauszufinden, in welche Himmelsrichtung ihr müsst, ist wesentlich einfacher als alles andere. U-Bahn fahren auch für die ganz verplanten..
So, ich finde, jetzt reicht’s langsam für heute, vielleicht gibt’s später noch ein paar Bilder, jetzt gibt’s erstmal ne Pause für Val. Heather ist segeln, Patrick in Montréal, und- hatte ich schon erwähnt, dass die Sonne scheint?
xoxo
eure Val
Tag 3: “Hey guys.. is that the fire alarm?”
So, wo war ich stehen geblieben? Ah ja, Früstück.
Zum Thema Essen möchte ich noch hinzufügen, dass Heather Gott sei Dank nichts davon wusste, dass ich temporär Vegetarierin war- was mich ungemein freut, denn zwei Wochen Veggie-Essen stell ich mir doch recht eintönig vor. Zweites Detail aus meinem Esstagebuch: Heather hat Cookies gekauft! Die gab’s gestern Abend zusammen mit einem Glas der 2,5%-Milch.. perfekt als Spätmahlzeit geeignet.
.. Ähm ja, zurück zu den wirklich spannenden Dingen. *hust* Heute morgen bin ich tatsächlich um 6 am aufgestanden und hab erstmal eine geschlagene Stunde im Bad verbracht. Dabei hab ich erstmal gepflegt das ganze Haus aufgeweckt (aber Patrick ist ja eh schon wieder weg, da dachte ich mir, ich hinterlasse wenigstens nen bleibenden Eindruck
), aber diese Holzstufen sind auch einfach zu fies.. zu spät nach Hause kommen ist da für Heathers Söhne bestimmt nicht drin
Den Rest hab ich den beiden Schlafenden dann aber durch die Benutzung des Föhns gegeben..zum Glück macht ein Glätteisen keine Geräusche
Alle aufmerksam Lesenden werden jetzt über zuletzt erwähntes Gerät stolpern, aber ja, es ist wahr: Ich habe mir die Haare geglättet! Ich weiß zwar nicht wofür, bei diesem überaus humiden Klima, das sich Toronto mir zuliebe angeeignet zu haben scheint, aber jedenfalls hab ich festgestellt, dass ich auch in Kanada keine Ahnung von den Dingern hab.. nach fünf Minuten verzweifelten Anstarrens meinerseits und beharrlichen Schweigens von Seiten dieses Mistdings hatte ich dann schließlich verstanden, dass man das Teil EINSCHALTEN muss.. wer hätt’s gedacht.. das sind schon Zustände hier in Kanada..
Ok, aber wesentlich spannender als meine Morgentoilette war doch der Weg zur ILSC. Bevor ich losging, hatte ich mit Heather kurz besprochen, welche U-Bahn ich nehmen sollte. Einmal musste ich umsteigen, das war noch unproblematisch. Das U-Bahn-System ist hier total simpel, es gibt nur Norden, Süden, Osten und Westen und man muss nicht erst nach der Endstation schauen. Ich bin also in Dundas ausgestiegen und wollte von da aus zu Fuß weitergehen. Was ich auch getan habe, nur leider in die falsche Richtung.. und zwar eine komplette U-Bahn-Station.^^Irgendwann bin ich auf die glorreiche Idee gekommen, nachzufragen, und zwar dreimal, beim ersten Mal hab ich eine weitere U-Bahn genommen, und zwar eine Station in die falsche Richtung, sodass ich wieder am Ausgangspunkt war; beim zweiten Mal wurde ich dann den richtigen Weg zu Fuß gelotst und beim dritten mal stand ich direkt vorm richtigen Haus, ohne es zu bemerken. ^^ Alles in allem war ich über eine Stunde unterwegs und gerade noch so pünktlich, und um neun Uhr ging’s dann in ein benachbartes Gebäude, wo wir unseren Einstufungstest schreiben sollten. Wir nahmen den Aufzug nach oben in den 13. Stock, Kommentar des Lehrers: “Hope none of you is superstitious..” Da lachten alle noch. Noch. Der Test war wirklich niedlich. Im Vergleich zu den gewohnten Englischklausuren.. also, er bestand aus zwei Teilen, wir mussten einen kurzen Text schreiben (“Describe your trip to Toronto”) und danach kam ne Reading comprehension. Das war ja so putzig.. man liest einen Text und beantwortet dann Fragen dazu. Also zum Beispiel, Ben und Dana unterhalten sich darüber, dass Ben zu spät gekommen ist. Er hat einen Überraschungstest verpasst. Und er hat ein Essay fertig geschrieben. Frage: Wer von beiden ist zu spät gekommen? ;D
Ja, wir waren grade fertig mit den Tests, da ging eine herzerweichende Melodie, um nicht zu sagen, ohrenbetäubender Krach los. Erstmal wurde der gekonnt ignoriert, zumindest von Seiten der Lehrer, bis einer schließlich auf die hochintelligente Idee kam- “hey guys.. is this the fire alarm?” Oh ja, es war der Feueralarm, und alle begannen daraufhin, nach allen Regeln der Kunst den Raum zu verlassen: langsam, gelangweilt und in Begleitung aller persönlichen Besitztümer
Und dann ging’s im Gänsemarsch die sämtlichen Treppen vom 13. ins Erdgeschoss. Wahnsinnig lustig. Wir waren kaum raus aus dem Gebäude, da wurde schon Entwarnung gegeben, also alle wieder rein und weiter ging’s mit den Einzelgesprächen bzw einem mehr als unspannenden Vortrag, der lediglich beinhaltete, was uns ohnehin schon in unseren Ordnern mitgeteilt worden war. Mein Einzelgespräch war mehr als knapp gehalten. “Where are you living in Germany?”-”Bavaria.” “Ah, so everybody’s wearing leather trousers there?” So viel zum Thema Vorurteile. In Kanada hat auch nicht jeder nen Elch oder einen Bieber angeleint am Gartenzaun, oder?
Jedenfalls wurde ich gefragt, was ich nach dem Abi machen will. Die Antwort “Jura studieren” fand er glaub ich witzig, er hat mich auch direkt gefragt weshalb. Naja, ich hab ihm gesagt, dass ich eben gern diskutiere und mich streite, und daraufhin hat er mich sofort in den Kurs “Global Social Issues” gesteckt
(btw durften die anderen alle selbst wählen, welchen Kurs sie nehmen^^) Aber gut, wieso nicht.. der Unterricht beginnt also morgen um 9 am.
Nach den ausführlichen Informationen über die Schule und das richtige Benehmen in der Gastfamilie war ich wieder auf mich allein gestellt (wobei ich zwei Mädels aus Deutschland kennen gelernt habe, wie es der Zufall so will, sogar aus Bayern- Oberfranken; die Welt ist eben doch ein Dorf) und hab mich erstmal auf die Suche nach dem perfekten Lunch gemacht. Notiz an mich selbst: Tim Hurton Chicken Wraps sind der Hohn auf Socken, winzig und unbefriedigend! Notiz 2: Starbucks-Kaffee ist und bleibt der allerbeste <3 3. Pringles schmecken in Kanada kein Stück anders, dafür hab ich bereits was schokoladenhaltiges entdeckt, das es in Deutschland nicht gibt
Mein Nachmittag war also ziemlich ausgefüllt, und zwar mit Downtown Toronto. Bevor ich wusste, wie mir geschah, war ich plötzlich in einer Art Bankenviertel mit Hochhäusern, deren oberes Ende ich von unten aus kaum sehen konnte. Da hab ich mich erstmal für ne halbe Stunde auf einer Treppe niedergelassen und den Augenblick genossen. Toronto hat ein Flair, das mir bisher noch in keiner anderen Stadt begegnet ist, ausgenommen vielleicht in London. Ich war und bin einfach nur durch und durch fasziniert. Dieses Gefühl, mein eigener Herr zu sein,dass es keine Rolle spielt, ob ich links oder rechts gehe, ob ich um fünf oder um sechs wieder hier bin, ob ich mein Sandwich bei Subway oder bei Coffee Time kaufe.. das ist unvergleichlich. Ich fühle mich freier und unabhängiger als je zuvor in meinem Leben. Einfach in irgendeine U-Bahn einzusteigen und abzuwarten wo man landet, das ist einfach was ganz Neues. Und es kann nie was passieren, weil es immer eine Subway oder ein Street car zurück gibt. Dazu kommt, dass die Leute hier unglaublich nett sind. Jeder hält dir die Tür auf, entschuldigt sich, wenn er vorbei will, die Tante im Coffee Shop (wo ich mich für eine weitere halbe Stunde mit einer Tasse Schokolade hingesetzt und einfach nur dem Regen draußen zugesehen habe) hat jeden grundsätzlich “Honey” genannt.
Ich fühle mich hier jetzt schon so dermaßen wohl, dabei bin ich erst seit zwei Tagen hier.. ich erkenne mich selbst gar nicht wieder. Diese Stadt ist wirklich toll. Und ich bin gespannt, was noch kommt.
xoxo,take care.
Val
PS: Check this for looking at my pictures:
http://val-in-toronto.blogspot.com/
3. September 2010
Kategorie:
Entries(RSS)